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Unbegleiteter Ro-Ro-Verkehr: Erst setzt der Auflieger allein über, dann steht er

Zuletzt aktualisiert am · Turnload

Im unbegleiteten Ro-Ro-Verkehr geht nur der Sattelauflieger an Bord. Zugmaschine und Fahrer bleiben an Land. Immer mehr Auflieger fahren so nach Italien, aus Italien heraus und zwischen italienischen Häfen. Das verändert, wo ein Auflieger seine Zeit verbringt: Das Schiff fährt nach Fahrplan, aber vor und nach der Überfahrt steht der Auflieger. Dieser Ratgeber zeigt, wie viel italienischer Ro-Ro-Verkehr heute unbegleitet läuft, woher die Standtage kommen, was 2026 an Kosten dazukommt und wie eine bezahlte Fahrt an die Stelle der Wartezeit treten kann.

Unbegleiteter Ro-Ro-Verkehr: Ein Sattelauflieger steht abgesattelt auf seinen Stützwinden in einem Hafenterminal in der Abenddämmerung, dahinter warten weitere Auflieger auf dem Gelände
Mit KI generiert

So funktioniert unbegleiteter Ro-Ro-Verkehr

Bei der unbegleiteten Überfahrt sattelt eine Zugmaschine den Auflieger am Abgangsterminal ab und fährt wieder. Terminalzugmaschinen rollen ihn aufs Schiff, im Zielhafen wieder herunter und stellen ihn auf dem Terminal ab. Dort holt ihn eine andere Zugmaschine ab. Ein Fahrer fährt nicht mit.

 BegleitetUnbegleitet
Was an Bord geht Zugmaschine, Auflieger und Fahrer Nur der Sattelauflieger
Im Zielhafen Der Fahrer fährt von Bord und weiter Der Auflieger steht im Terminal, bis eine Zugmaschine ihn abholt
Zeit ohne Zugmaschine Kaum: Die Zugmaschine bleibt aufgesattelt Systembedingt, vor und nach der Überfahrt

Im unbegleiteten Ro-Ro-Verkehr ist ein Auflieger ohne Zugmaschine kein Planungsfehler. So funktioniert das System. Deshalb lassen sich die Standzeiten vorhersagen, und was sich vorhersagen lässt, lässt sich einplanen.

Wie viel italienischer Ro-Ro-Verkehr heute unbegleitet läuft

50,7%
der Tonnage im italienischen Ro-Ro-Kurzstreckenseeverkehr liefen 2024 unbegleitet. 2015 waren es 40,8% (Turnload-Berechnung nach Eurostat, 2026a, 2026b).
6.160.189
Ro-Ro-Einheiten wurden laut Assoporti (2025) in italienischen Häfen umgeschlagen.

2024 lief erstmals mehr als die Hälfte der Tonnage im italienischen Ro-Ro-Kurzstreckenseeverkehr ohne Fahrer. Den Anteil haben wir selbst aus den Seeverkehrstabellen von Eurostat berechnet und mit einem zweiten Datensatz gegengeprüft, der auf 50,3% kommt (Turnload-Berechnung nach Eurostat, 2026a, 2026b). Wichtig ist, was jeweils gezählt wird: Der Anteil bezieht sich auf Tonnen, die Assoporti-Zahl auf Einheiten. Weil das zwei verschiedene Maße sind, ergibt sich aus beiden zusammen keine genaue Zahl unbegleiteter Einheiten.

Der Ro-Ro-Verkehr läuft über italienische Häfen wie Genua, Livorno und Catania und verbindet das Festland mit Sizilien, Sardinien und dem übrigen Mittelmeerraum. Wer Auflieger aus Deutschland, Österreich oder den Benelux-Ländern nach Italien schickt oder von dort holt, bedient einen Markt, in dem der Anteil ohne Fahrer seit 2015 um fast zehn Prozentpunkte gestiegen ist.

Warum Auflieger vor und nach der Überfahrt stehen

Vor dem Ablegen

Der Auflieger muss vor Annahmeschluss im Terminal sein. Oft kommt er deshalb Stunden vorher an, manchmal schon am Vortag. Ist das Schiff ausgebucht, wartet er auf die nächste Abfahrt; hat es Verspätung, wartet er länger. Die Zugmaschine, die ihn gebracht hat, ist längst weg.

Nach der Ankunft

Im Zielhafen steht der Auflieger im Terminal, bis eine Zugmaschine ihn abholt. Hat der Eigentümer in diesem Hafen keine Zugmaschine oder keine Ladung für den Nachlauf, wartet er auf beides. Die Überfahrt folgt einem Fahrplan. Die Wartezeit am Kai nicht.

Unpaarige Verkehre

Auf vielen Linien läuft in eine Richtung mehr Ladung als in die andere. Die Auflieger sammeln sich dann dort, wo wenig zurückgeht. Ihre Eigentümer holen sie entweder auf eigene Kosten leer zurück oder lassen sie stehen. Auf Ro-Ro-Linien mit festen Häfen und veröffentlichten Fahrplänen wiederholt sich dieses Ungleichgewicht Woche für Woche. Es ist vorhersehbar, nicht zufällig.

Die Terminals stellen das Warten bereits in Rechnung. Das DFDS-Terminal in Rotterdam berechnet nach 72 freien Stunden 31 € pro Tag, ab dem 9. Tag 91 € pro Tag (DFDS, 2026). Dazu kommt das gebundene Kapital: Ein Sattelauflieger im Wert von rund 30.000 € (Luman, 2026) verdient nichts, solange er steht. Prüfen Sie die Tarife der Terminals, die Sie nutzen, und rechnen Sie nach, was jeder Standtag Ihren Fuhrpark kostet.

Was sich 2026 ändert: ETS-Zuschläge und Sea Modal Shift

Seit 2024 fällt die Schifffahrt unter das EU-Emissionshandelssystem (EU ETS). Die Reedereien mussten 2024 für 40% ihrer gemeldeten Emissionen bezahlen, ab 2026 sind es 100% (Europäische Kommission, 2026). Schon 2023 kündigten Grimaldi und GNV ETS-Zuschläge an, die sie an die Transportunternehmen weitergeben: laut Shipping Italy Aufschläge von bis zu rund 180 € pro Überfahrt für einen Sattelzug (Redazione Shipping Italy, 2023). Der sizilianische Transportunternehmerverband AITRAS bezifferte die Mehrkosten auf über 260 € pro Überfahrt (Redazione Shipping Italy, 2023). Ein leerer Auflieger an Bord zahlt den Zuschlag genauso wie ein beladener.

Italiens Förderprogramm Sea Modal Shift zahlt an das Transportunternehmen, nicht an die Reederei: bis zu 0,30 € pro eingeschiffter Einheit für jeden vermiedenen Kilometer auf dem italienischen Straßennetz. Das ist eine Obergrenze, nicht die Auszahlung (Redazione Shipping Italy, 2026). Im ersten Förderjahr beantragten die Unternehmen rund 240 Mio. €, verfügbar waren 52,9 Mio. €. Ausgezahlt wurden anteilig gekürzt rund 0,06 €, 80% unter der Obergrenze (Redazione Shipping Italy, 2026). Die Nachfrage ist also da, aber rechnen Sie mit der tatsächlichen Zahl. Der Transport über See muss sich auch ohne Förderung rechnen.

Wie Turnload im unbegleiteten Ro-Ro-Verkehr arbeitet

Für Turnload ist die Wartezeit Kapazität, die ein anderer Frachtführer nutzen kann. Aus dem stehenden Auflieger wird eine bezahlte Fahrt.

  1. MeldenSie markieren, welche Auflieger stehen, in welchem Hafen oder Depot und seit wann. Sie zeigen nur Ihre eigenen stehenden Auflieger. Ihre Preise, Kunden und Aufträge sieht niemand.
  2. VermittelnTurnload sucht eine Rückfracht oder eine Umpositionierung auf den Linien und Strecken, die Sie ohnehin bedienen, einschließlich des Nachlaufs ab dem Zielhafen. Weil das Ungleichgewicht auf einer festen Linie vorhersehbar ist, lässt sich die Fahrt einplanen, bevor der Auflieger von Bord rollt.
  3. ÜbergebenWechselt der Auflieger im Terminal oder im Depot den Frachtführer, halten beide Seiten den Zustand im gemeinsamen Protokoll fest, nach denselben Bedingungen. Diese Übergabe zwischen Frachtführern deckt Ihr TMS nicht ab.
  4. VerdienenDer Auflieger verdient an Tagen, an denen er sonst stehen würde. Die Auslastung sehen Sie pro Auflieger, in Ihren eigenen Zahlen.

Im unbegleiteten Ro-Ro-Verkehr ist der Auflieger ohne Zugmaschine die Regel. Dasselbe Problem gibt es aber auf jeder Strecke, auf der ein Auflieger am falschen Ort landet. Mehr dazu in unserem Ratgeber zur Umpositionierung von Aufliegern. Turnload findet für stillstehende Auflieger eine Rückfracht oder eine Umpositionierung, auf der Straße, im Ro-Ro-Verkehr und auf allen anderen Wegen, die Ihre Auflieger nehmen. In Kürze starten wir mit den ersten Fuhrparks.

Quellen